Die Göttin Isis in der Geschichte 2018-05-22T18:38:18+00:00

von Jeff Dahl (Eigenes Werk) [GFDL], via Wikimedia Commons

Die Göttin Isis in der Geschichte

Isis und Osiris waren die zentralen Gottheiten im alten Ägypten, die das Leben der damaligen Menschen lenkten und schützten. Isis war die Mondengöttin und ihr Mann Osiris der Sonnengott. Sie wurde häufig mit dem Henkelkreuz in der Hand als Zeichen für das ewige Leben dargestellt. Zu ihr gehörten auch die Lotusblüten, die in den Teichen bei den Tempelanlagen kultiviert wurden als Zeichen für Reinheit und geistiges Wissen. Ihre Symboltiere sind die heiligen Schlangen und die Katzen.

Die Isis war die Hüterin eines großen Wissens über die Erde, die Natur und den Kosmos; die damals entstandene Einteilung der Tierkreiszeichen hat bis heute für das Horoskop Gültigkeit. Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit der Äcker und der Gesundheit der Menschen; in ihren Tempeln fanden die medizinischen Behandlungen statt. Die Tätigkeiten wurden entsprechend der kosmischen Einflüsse der Sternenkonstellationen durchgeführt.

Die Schülerinnen des Isis-Kultes durchliefen eine sorgfältige Ausbildung. Sie wurden in das uralte Menschheitswissen, das in den Isis-Tempeln gehütet wurde, eingeführt. Auf die seelische Ebene wurde bei dieser Ausbildung großer Wert gelegt; der Umgang mit der sich aus dem Wissen ergebenden Macht sollte verantwortungsbewusst und selbstlos sein. So waren die Priesterinnen Wissende, die ratend, helfend und heilend wirken konnten.

Wenn man das Wort Isis betrachtet, dann fällt auf, dass es aus nur zwei Lauten besteht: I und S. Diese Laute haben eine besondere Kraft und finden sich auch in den Namen der Göttinnen anderen Kulturen wieder.

Die höchste Göttin in Mesopotamien zur Zeit der urpersischen Epoche war Istar oder Ischtar. Sie wurde als die Göttin der Heilkräfte, die Siegesgöttin im Kampf und die Behüterin des Familie verehrt, darüber hinaus unterstand die Hauptstadt Babylon ihrem Schutz. Eines der Stadttore war ihr geweiht. Das  Ischtar-Tor, das mit den zu ihr gehörigen goldenen Löwen geschmückt ist, kann man heute im Pergamon Museum in Berlin besichtigen.

Die Laute I und S findet man auch in  Indonesien wieder. Auf der Insel Bali wird die Göttin Sri als oberste Göttin verehrt, sie segnet die Reisfelder mit Fruchtbarkeit. Sie schenkt auch das häusliche Glück, die Schönheit und die Gesundheit. Bis heute finden beim Säen und Ernten des Reises religiöse Zeremonien statt und man bringt ihr im Laufe der Wachstumsperiode des Reises immer wider Opfergaben, die am Feldrand niedergelegt werden.

Im nördlichen Europa gibt es eine Göttin, deren Name die Laute I und eine Abwandlung des S enthält, ein G (dsch gesprochen). Es ist die Brigid, die der Überlieferung nach in Irland geboren wurde. Als eine Hauptgöttin der keltischen Kultur hat sie ähnliche Wirkensgebiete wie die Isis und die Sri: sie ist mit der Erde, der Fruchtbarkeit und der Heilkunde verbunden; sie behütet das Feuer und die Einhaltung der Gesetze.

Ihr Festtag ist der 2. Februar, den die katholische Kirche zu Mariä Lichtmess umgewandelt hat; an diesem Tag beginnt das Licht wieder deutlich zuzunehmen und in der Erde regen sich die ersten Wachstumskräfte nach dem Winter. Brigid gab Groß Britannien ihren Namen.

Diese kurze Betrachtung soll zeigen, dass der Name Isis aus besonderen Lauten besteht, hinter denen sich ein übergreifendes Prinzip verbirgt, das über Ägypten hinaus auch in anderen Kulturen und Kontinenten seine Bedeutung hat.